Bochumer Kunstkirche blickt auf zehn Jahre spannender Installationen zurück

Nach rund 40 Ausstellungen ist das Projekt am Sonntag zu Ende gegangen – und dabei neun Jahre länger gelaufen als einst geplant.

Nach rund zehn Jahren endet das Projekt Kunstkirche in Bochum

Eigentlich nur für das Kulturhauptstadtjahr 2010 gedacht, hat die Kunstkirche schließlich rund 40 Installationen beherbergt

Als letzte Installation hat Nol Hennissen Baustellen-Krankhaken an der Decke der Kirche platziert.

Aus 12 Kunstprojekten wurden rund 40 – und aus einem Jahr am Ende fast zehn: Mit einer letzten Installation und einem Abschiedsprogramm ist am Sonntag das Projekt Kunstkirche in der Bochumer Christus-König-Kirche zu Ende gegangen.

Besucher aus dem Ruhrgebiet fühlen sich an Industriekultur erinnert, angesichts der Kranhaken, die der Künstler Nol Hennissen zum Abschied von der Decke in die große, leere Kirche hängen lässt. „An einer Baustelle bin ich auf die Idee gekommen“, erzählt der Niederländer am Sonntag in einer Gesprächsrunde zum Ende der Kunstkirche. Egal, ob ganz praktisch gedacht wie bei der Sagrada Familia in Barcelona oder Notre Dame in Paris – oder eher im übertragenen Sinn: „Kirche ist immer eine Baustelle“, sagt Hennissen – und gerade Zuhörer aus dem Ruhrbistum werden ihm angesichts der Umstrukturierungen in der Kirche vor Ort zustimmen. Außerdem sehen die Lasthaken „von oben aus wie Fragezeichen“, bietet der Niederländer eine weitere Interpretationsidee an.

Hennissen ist der letzte und war der erste Künstler in der Kunstkirche Christus König 2010 mit einer Installation, bei der die Sandberge zwischen den damals noch vorhandenen Kirchenbänken mindestens so viele Fragen aufwarfen wie der Titel „Only the dust is eternal“ (deutsch: „Nur der Staub ist ewig“). Hennissen – wie alle Künstler in zehn Jahren Kunstkirche kein ausdrücklich christlicher Künstler – schaut nüchtern und ohne Pathos auf das ungewöhnliche Ausstellungsprojekt zurück und schreibt dem Ruhrbistum ins Stammbuch: Ohne Kunstkirche „wird dem Bistum eine offene Tür fehlen, hinter der die Menschen verschiedenen Möglichkeiten begegnen können“.

Propst Ludwig: „Dieser Raum ist in die Jahre gekommen.“

Das sieht Propst Michael Ludwig ähnlich. Der Pfarrer der Bochumer Propstei St. Peter und Paul und damit Hausherr der Kunstkirche schwärmt von den Begegnungen zwischen Christen und Künstlern, von spontanen Gesprächen über Beichtstühle und Weihwasser, Kreuze, Sünde und Vergebung mit Künstlern, die eigentlich nur einen großen, leeren Raum gestalten wollten. Doch „dieser Raum ist in die Jahre gekommen“, sagt der Propst und verweist auf offensichtliche Feuchtigkeitsschäden im Mauerwerk und versteckte Probleme im Heizungskeller. Und Norbert Düwel, mit einer halben Stelle der einzige hauptamtliche Mitarbeiter der Kunstkirche, betont. „Wir wollten hier auf hohem Niveau“ enden.

Das ist fraglos gelungen, betonen am Sonntag alle Beteiligten in der von Norbert Lepping, Bistums-Referent für Glaubenskommunikation, moderierten Gesprächsrunde. Und auch wenn Lepping, schon wegen der zum Abschluss angesetzten Kuchentafel, „ein bisschen Beerdigungsstimmung“ ausmacht, verweisen die Gesprächspartner in erster Linie auf die völlig unerwartete Erfolgsgeschichte des Kunstprojekts: Ab 2008 stellte Propst Ludwig ein Team aus Ehrenamtlichen mit Kunstsachverstand zusammen. Ziel: In dem als Gemeindekirche aufgegeben Gotteshaus von 1932 ein Programm für das Kulturhauptstadtjahr 2010 organisieren. „Im ersten Jahr hatten wir hier zwölf Darbietungen, für jeden Monat eine – das war ein rasanter Einstieg“, erinnert sich die Kunsthistorikerin Dr. Elisabeth Kessler-Slotta, die zur Kuratorin der Kunstkirche wurde. Vor allem wegen des Erfolgs sei nach dem Kulturhauptstadt nicht an ein Aufhören zu denken gewesen, heißt es in der Kunstkirche. „Wir hatten so viel Publikumszuspruch. Wenn wir die Tür aufgemacht haben, war es voll“, sagt Düwel.

Kessler-Slotta: „Die Künstler hatten hier alle Freiheiten“

Die Schlagzahl der Installationen wurde etwas langsamer, weniger spektakulär wurden sie nicht. Das lag auch an der klaren Maßgabe des Projektteams, die Kirche „nicht in eine Ausstellungshalle, nicht in eine Galerie“ zu verwandeln, wie Moderator Lepping betont, selbst Teil des Kunstkirche-Teams. Für jeden Künstler gab es die zunächst schlicht klingende Herausforderung, den Raum zu gestalten. „Die Künstler hatten hier alle Freiheiten“, sagt Kessler-Slotta. Allerdings habe es auch Absagen gegeben, von Künstlern, „die mit dem Raum nicht klar gekommen sind“.

Beim Blick in die Zukunft und der Frage nach Perspektiven für Kunst und Kirche herrscht am Ende des Gesprächs ein freundlicher Dissens auf dem Podium und unter den Zuhörern: Die einen sehen Kunst als Kür, als Glanz, der den Lebenswert erhöht, aber nicht wirklich erforderlich ist – und die anderen, für die ein Leben ohne Kunst nicht denkbar ist. In einem Punkt sind sich indes alle einig: Von der Begegnung zwischen Kunst und Kirche profitieren am Ende beide.

Vier Bilder aus rund 40 Installationen in zehn Jahren Kunstkirche

Über Ausstellungen und Projekte in der Bochumer Kunstkirche ist im vergangenen Jahr ein Bildband erschienen, der im Pfarrbüro der Propstei St. Peter und Paul oder im Buchhandel erhältlich ist: Norbert Lepping / Michael Ludwig (Hg.), Wandlungen. Kunst in Christ-König. Münster: Aschendorff Verlag 2018, 192 Seiten, ISBN 978-3-402-13357-6, € 19,80.

Referent für die Kunstkirche Christ König Bochum

Norbert Düwel


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