Neue „Wolfsburg“-Chefin setzt auf große Podien und leise Töne

Am Montag, 1. Juli, wird Judith Wolf die neue Direktorin der Katholischen Akademie in Mülheim. Sie tritt die Nachfolge von Michael Schlagheck an, dessen Stellvertreterin sie seit 2010 war.

Judith Wolf (51) ist die erste Direktorin der Katholischen Akademie "Die Wolfsburg" in Mülheim

Seit 1999 arbeitet Wolf in der "Wolfsburg", nun folgt sie als Direktorin auf Michael Schlagheck, der die Akademie 24 Jahre lang geleitet hat

Wolf will insbesondere die Projektarbeit der Akademie stärken

Sie moderiert mit Sympathie und Energie große Podiumsdiskussionen mit Politikern, Wirtschaftsbossen und Bischöfen – und liebt in ihrem Haus doch ebenso sehr die kleinen, vertrauten Runden der leisen Töne. Vor 20 Jahren begann Judith Wolf in der Katholischen Akademie „Die Wolfsburg“ in Mülheim als Dozentin, ab Montag, 1. Juli, ist sie die neue Direktorin des Hauses. Sie tritt damit in die Fußstapfen von Dr. Michael Schlagheck, der die Akademie 24 Jahre lang geführt hat und nun in den Ruhestand gewechselt ist. Und doch hat die 51-jährige promovierte Theologin viele eigene Pläne und Ideen für die Zukunft des Hauses in der Wald-Idylle zwischen Mülheim-Speldorf und dem Duisburger Kaiserberg.

„Möglichst viele Menschen miteinander in Kontakt bringen“

„Ich möchte mit unserer Akademiearbeit hier möglichst viele Menschen miteinander in Kontakt bringen“, sagt Wolf, „je unterschiedlicher, desto besser“. Die große Vielfalt des „Wolfsburg“-Programms ist gut, doch Wolf setzt darüber hinaus auf einen stärkeren Austausch unter den verschiedenen Zielgruppen: „Wir wollen die Gruppen, die wir erreichen, stärker zusammenbringen.“

Gelingen soll dies zum Beispiel im Oktober, wenn Bischof Franz-Josef Overbeck gemeinsam mit Vertretern von „Fridays for Future“ und der Energiewirtschaft über den Klimawandel diskutiert. So vielfältig wie das Podium dürfte nach Wolfs Wünschen dann auch das Publikum besetzt sein. Konkret denkt sie dabei an den großen Kreis junger Leute, die die „Wolfsburg“ über die Begabtenförderung kennengelernt haben und ihr nun als Ehemalige verbunden sind: Dreimal im Jahr kommen 20 bis 25 sozial besonders engagierte und begabte Oberstufenschüler aus ganz NRW in die Akademie und arbeiten zu persönlichen, ethischen, politischen, vor allem aber zu Zukunfts-Fragen. Klar, dass diese jungen Leute zur Klima-Diskussion mit dem Bischof ganz besonders herzlich eingeladen werden.

„Wir sind ein gefragter Partner in der Region

Das Gespräch mit dem Bischof veranstaltet die „Wolfsburg“ gemeinsam mit der Bank im Bistum Essen – ein kleines Beispiel für die vielen Partnerschaften der Akademie gerade zu nicht-kirchlichen Organisationen im Revier: Initiativkreis Ruhr, RAG-Stiftung, Regionalverband Ruhr, Handwerks-, Industrie- und Handelskammern, Gesundheitseinrichtungen, Hochschulen, Stiftungen … „Wir sind ein gefragter Partner in der Region“, sagt Wolf und will insbesondere die mit vielen dieser Partner begonnene Projektarbeit in der „Wolfsburg“ noch weiter stärken.

Im sich verändernden Ruhrgebiet sieht Wolf dabei große Chancen für ihr Haus – aber auch Herausforderungen: „Gelingt uns als Kirche der Kontakt auch zu Organisationen und Unternehmen, die keine so naturgegebene Nähe zu uns haben wie etwa der Bergbau?“ Die vielen neuen Start-Ups zum Beispiel oder die zahlreichen Kultur-Einrichtungen sieht Wolf als Felder, auf denen sich die „Wolfsburg“ in Zukunft stärker engagieren wird. Nicht, um im klassischen Sinne zu missionieren, sondern um aus der christlichen Perspektive heraus auch in diesen Organisationen ein Nachdenken über ethische Fragen – zum Beispiel der Mitarbeiterführung – anzuregen, das in den Großkonzernen der Region eine lange Tradition hat. Im Bereich der Wirtschaft gibt es für diese Initiative bereits einen Namen: „Aus der GSA, der Gemeinsamen Sozialarbeit der Konfessionen, ist jetzt das Netzwerk Kirche-Ethik-Wirtschaft geworden, das die christlichen geprägten Werte des Bergbaus nun in andere Branchen tragen möchte“, erklärt Wolf.

Vertrauliche Gespräche im Kaminzimmer

„Ein ganz großer Teil unserer Arbeit wird öffentlich gar nicht wahrgenommen“, sagt die neue „Wolfsburg“-Direktorin – und meint dies gar nicht kritisch. Sie verweist vielmehr auf viele Gespräche zum Beispiel im verschlossenen Kaminzimmer der Akademie, die eine große Vertrautheit zwischen den Partnern ermöglichen. Egal ob bei den „Wolfsburg“-Projekten zur Ethik in katholischen Krankenhäusern oder Altenheimen, bei den Gesprächen mit Vertreten der gesellschaftspolitischen Räte im Bistum Essen, bei den Runden mit Trainern des Deutschen Olympischen Sportbundes oder in anderen Konstellationen: „Bei diesen Gesprächen erreichen wir oft eine unglaubliche Offenheit. Wenn wir an den Punkt kommen, an dem die Fassaden fallen, wird hier Verständigung möglich“, beschreibt die Theologin. Entweder zur Lösung von Konflikten oder zur Entwicklung neuer Ideen.

„In der Wirklichkeit finden wir Gott“, sagt Wolf und macht sich damit für die weitere Arbeit der „Wolfsburg“ ein Zitat ihres Vorgängers Schlagheck zu Eigen. Dieser Ansatz gelinge nur mit einer großen Offenheit, gerade auch der Bistumsleitung, betont Wolf. „Anderswo kommen in der Kirche immer gleich die, die die Wahrheit schon wissen – da ist ein Dialog schwer möglich.“ Im Ruhrbistum sei jedoch der Blick auf die Wirklichkeit in dieser Region die entscheidende Perspektive. „Da ist es für mich sehr wohltuend in einem Bistum zu arbeiten, in dem auch der Bischof und der Generalvikar diese Perspektive teilen“, betont die neue Akademiedirektorin.

Zur Person: Judith Wolf

  • Judith Wolf wurde 1968 in Kevelaer am Niederrhein geboren und hat dort 1987 das Abitur gemacht.
  • In Münster und Bamberg studierte sie Katholische Theologie, Philosophie, Geschichte und Pädagogik. Nach Diplom und erstem Staatsexamen war Wolf von 1996 bis 1999 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Christliche Sozialwissenschaften an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Münster.
  • 2001 promovierte Wolf mit einer Arbeit zum Thema „Kirche im Dialog. Sozialethische Herausforderungen der Ekklesiologie im Spiegel des Konsultationsprozesses der Kirchen in Deutschland“ an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Bamberg zur Doktorin der Theologie.
  • Seit 1999 arbeitet sie als Dozentin in der Katholischen Akademie „Die Wolfsburg“ in Mülheim und war seit 2010 deren stellvertretende Direktorin. Ein breites Feld ihrer Arbeit bilden die Medizinethik und die Ethik im Gesundheitswesen. Im Mittelpunkt stehen Fragen aus den Bereichen Sterben und Tod, der Patientenautonomie, der gerechten Verteilung knapper Mittel im Gesundheitswesen sowie die Ausbildung von Ärztinnen und Ärzten im Bereich der Ethik. Außerdem bearbeitet sie sozialethische Themen. Zudem betreut Wolf Trainerinnen und Trainer im Hochleistungssport in Fragen der Ethik.
  • Dr. Judith Wolf ist verheiratet und Mutter eines Sohnes und einer Tochter.

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