Finanzüberschuss des Bistums ist deutlich geschrumpft

Für das Jahr 2018 weist das Bistum Essen einen Jahresüberschuss von nur noch 0,5 Millionen Euro aus. Diözese stellt sich mittelfristig auf weiter steigende Belastungen und allenfalls stagnierende Kirchensteuereinnahmen ein.

Der Jahresüberschuss des Bistums ist von 17 Millionen Euro in 2017 auf 0,5 Millionen Euro gesunken

Trotz gestiegener Kirchensteuereinnahmen konnte der gestiegene Aufwand kaum ausgeglichen werden

Neue Analyse: Mehr als die Hälfte der Katholiken im Ruhrbistum zahlt keine Kirchensteuer, 75 % der Kirchensteuer-Einnahmen kommen von 15 % der Mitglieder

Durch gestiegene Ausgaben – unter anderem für den Erhalt der Kirchengebäude – ist der Jahresüberschuss des Bistums Essen im vergangenen Jahr auf 0,5 Millionen Euro gesunken. 2017 hatte der Überschuss noch 17 Millionen Euro betragen, nach einer fast doppelt so hohen Summe im Vorjahr. Dies geht aus dem Finanzbericht hervor, den das Ruhrbistum am Mittwoch, 25. September, veröffentlicht hat. Neben den Kirchengebäuden sorgten unter anderem höhere Aufwendungen in der Altersvorsorge für das kirchliche Personal und gestiegene Kosten für den Erhalt der Bischöflichen Schulen dafür, dass das Bistum trotz gestiegener Kirchensteuereinnahmen sein Eigenkapital 2018 nur minimal erhöhen konnte.

„Jetzt zeigt sich, dass es in den vergangenen Jahren richtig war, unsere finanziellen Rücklagen zu stärken und den Umbau unseres Bistums hin zu einer zukunftsfähigen Kirche zu forcieren“, betont Generalvikar Klaus Pfeffer. „Unsere kirchliche Arbeit finanzieren wir zum größten Teil aus den Beiträgen unserer Mitglieder – der Kirchensteuer“, so Pfeffer. Da deren Höhe vor allem vom Einkommen der Kirchenmitglieder abhänge, „profitieren die Kirchen – wie ganz Deutschland – von der zur Zeit noch ausgesprochen guten Wirtschaftslage, vor allem von der hohen Beschäftigung“. Zwar sei die finanzielle Lage im Ruhrbistum längst nicht so gut wie in anderen deutschen Diözesen, „aber auch das Ruhrgebiet erlebt einen Aufschwung“, so Pfeffer. Neben der unsicheren wirtschaftlichen Entwicklung machen Pfeffer jedoch zwei Faktoren Sorgen, und dies nicht nur aus finanzieller Perspektive: zum einen die hohe Zahl der Kirchenaustritte und zum anderen die demographische Entwicklung; seit Jahren verzeichnet die Kirche deutlich mehr Beerdigungen als Taufen.

Kirchensteuer-Einnahmen können Ausgaben kaum decken

In den vergangenen Jahren hätte das Bistum die finanziellen Verluste durch die geringer werdende Mitgliederzahl durch die individuell noch ansteigenden Kirchensteuer-Einnahmen in etwa kompensieren können, erläutert Daniel Beckmann, Leiter der Hauptabteilung Finanzen und bischöfliche Immobilien im Bistum Essen. Netto – also nach Abzug aller Kosten, zum Beispiel für die Finanzbehörden – erhielt das Ruhrbistum 2018 mit rund 175 Millionen Euro an Kirchensteuern etwa drei Millionen Euro mehr als 2017. „Doch den gestiegenen Aufwand konnten wir mit den laufenden Einnahmen nur knapp ausgleichen“, so Beckmann. Von einer ähnlichen Entwicklung geht das Bistum auch mittelfristig aus, wie Beckmann im Kapitel „Perspektiven“ des Finanzberichts darstellt: „Selbst wenn die Kirchensteuer-Einnahmen dank einer weiterhin guten Wirtschaftslage insgesamt stabil bleiben, könnten Lohn- und andere Kostensteigerungen schon in naher Zukunft dazu führen, dass die Aufwendungen die Einnahmen jährlich in zweistelliger Millionen-Euro-Größenordnung überschreiten“, folgert der Finanzchef. Deshalb müsse weiterhin maßvolles Wirtschaften mit den Geldern der Kirchenmitglieder die Devise sein.

Pfeffer: „Bei uns geht es nicht um Ab-, sondern um Aufbruch“

Dies unterstreicht Generalvikar Klaus Pfeffer: „Viele unserer Pfarreien setzen jetzt um, was sie in den Pfarreientwicklungsprozessen der vergangenen Jahre als Konzepte entwickelt haben, um auch mit der Perspektive des Jahres 2030 vor Ort aktiv und lebendig Kirche sein zu können.“ Zum einen setze sich die Kirche an Rhein, Ruhr und Lenne kleiner, „weil wir nur noch gut halb so viele Katholiken sind wie zur Bistumsgründung vor rund 60 Jahren“, so Pfeffer. Zum anderen starteten Gemeinden innovative Projekte, um trotz geringer werdender finanzieller Mittel die Menschen in ihrer Nachbarschaft mit zeitgemäßen Angeboten und Räumlichkeiten ansprechen zu können. Beispielhaft verweist Pfeffer auf das Bottroper Projekt „Kirchplatz 2/3“, bei dem die Innenstadt-Pfarrei St. Cyriakus als Ersatz für das ehemalige katholische Stadthaus und mehrere Gemeindezentren ein zentrales, neues Pfarrzentrum baut, das künftig mitten in der Innenstadt gleich neben der Pfarrkirche die Besucher einladen wird. Auch zahlreiche Umbau- und Umnutzungsprojekte von Kirchen und Gemeindeheimen zeigten, „dass es bei uns nicht um Ab-, sondern um Aufbruch geht“, so Pfeffer.

Fast 40 Prozent der Aufwendungen finanzieren das kirchliche Leben vor Ort

Insgesamt hat das Ruhrbistum 2018 mit Erträgen in Höhe von 269,3 Millionen Euro Aufwendungen in Höhe von 268,8 Millionen Euro finanziert. Knapp 40 Prozent davon sind in die 42 Pfarreien und ihre Gemeinden geflossen. Dort hat dieses Geld zum Beispiel das seelsorgerische Personal und deren Altersversorgung finanziert, den Erhalt von Kirchen und anderen Gebäuden sowie den Betrieb der bistumsweit rund 260 katholischen Kindertagesstätten. Allein für die Kitas hat das Bistum 22,1 Millionen Euro ausgegeben – deutlich mehr als gesetzlich vorgeschrieben, weil der Kindertagesstättenbetrieb grundsätzlich unter einer strukturellen Unterfinanzierung leidet. Auch in die sieben eigenen sowie in zwei von Orden getragene Schulen investierte das Bistum deutlich mehr als vom Gesetzgeber erwartet. Mit einem Aufwand von 6,2 Millionen Euro netto – also die Bistumsaufwendungen abzüglich der Erstattungen durch das Land – zahlt das Bistum nicht nur sechs Prozent wie gesetzlich verlangt, sondern mindestens 14 Prozent der Kosten. Zudem hat das Bistum die Arbeit der Caritas mit 13,4 Millionen Euro unterstützt.

Mehr als die Hälfte der Kirchenmitglieder zahlt keine Kirchensteuer

Einen besonderen Blick haben die Finanzfachleute des Bistums im vergangenen Jahr auf die Haupteinnahmequelle der Diözese geworfen, die Kirchensteuer. Rein statistisch hat jeder der gut 755.000 Katholiken im Ruhrbistum – vom Säugling bis zum Greis – unter dem Strich durchschnittlich 230 Euro Kirchensteuer gezahlt. Tatsächlich entrichtet aber mehr als die Hälfte aller Katholiken im Ruhrbistum gar keine Kirchensteuer. Das hat die jüngste Untersuchung des Forschungszentrums Generationenverträge der Universität Freiburg für das Ruhrbistum unterstrichen. Demnach stammen rund 75 % der Kirchensteuer-Einnahmen von nur 15 % der Mitglieder. Und während die durchschnittliche Kirchensteuerzahlung in der Altersgruppe der 20- bis 35-Jährigen rund 350 Euro pro Jahr beträgt, steuern die beruflich zumeist etablierteren 45- bis 60-Jährigen rund 700 Euro bei. Angesichts dieser Statistik warnt Finanzchef Beckmann vor einer „Klippe“, wenn in wenigen Jahren mit der „Babyboomer“-Generation auch viele Katholiken in Ruhestand gehen. Schon aus diesem demographischen Grund wird die Zahl der Kirchenmitglieder und -steuerzahler in den kommenden zehn bis 15 Jahren spürbar sinken.

HGB-konforme Bilanzen für Bistum, Bischöflicher Stuhl, Domkapitel und Versorgungs-Fonds

Auch in diesem Jahr umfasst der Finanzbericht neben der HGB-konformen Bilanz des Bistums auch die der drei weiteren maßgeblichen Rechtsträger auf Bistumsebene: Bischöflicher Stuhl, Domkapitel und Versorgungs-Fonds, in dem die Pensionsverpflichtungen des Bistums gebündelt sind. Während die Bilanz des Bistums ein Volumen von 352,4 Millionen Euro und die des Versorgungs-Fonds von 217,9 Millionen Euro umfasst, schlagen der Bischöfliche Stuhl mit zwei und das Domkapitel mit 27,2 Millionen Euro zu Buche.

Weitere Informationen zu den Bistums-Finanzen, Grafiken sowie den kompletten aktuellen und frühere Finanzberichte gibt es online auf der Seite finanzen.bistum-essen.de.

Kontakt zur Hauptabteilung Finanzen und bischöfliche Immobilien

Leitung der Hauptabteilung

Dr. Daniel Beckmann (Dipl. Wirtsch.-Ing.)

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Abteilung: Haushalt und Rechnungswesen

Dipl.-Betriebswirt lic.hw Joachim Strötges

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