Jugendarbeit und Seelsorge zwischen Kicker und Kirche

Pater Ralf Winterberg ist der neue Leiter der Amigonianer-Projekte in Gelsenkirchen. Seit 30 Jahren betreibt der aus Spanien stammende Orden in der Revierstadt Treffpunkte für Kinder- und Jugendliche.

Der gebürtige Kölner Pater Ralf ist mit zwei Mitbrüdern ins Ruhrgebiet gekommen

In Gelsenkirchen wohnen die Mönche in einer Sozialwohnung und kümmern an vier Standorten um Kinder und Jugendliche

Neu ist die Amigonianer-Dependance in Gladbeck

Mahmud hält den Kasten sauber. Und wenn der baumlange Kerl rechts neben ihm die Tore schießt, ist für den 12-Jährigen die Gelsenkirchener Kicker-Welt in Ordnung. Am Ende steht es 10:3 für das Duo aus dem Jungen mit dem weißen Basecap und dem Mann im grünen Sommerhemd. Dabei haben die Gegner ihnen nichts geschenkt. Offensichtlich hatten die Sieger die roten Plastik-Fußballer einfach gut im Griff – der Kleine dank stundenlangem Training in dem beliebten Jugendtreff im Stadtteil Feldmark, und der Große dank jahrelanger Berufs- und Lebenserfahrung als Priester, Ordensmann und Pädagoge in Kinder- und Jugendheimen. Die kann der über zwei Meter lange Kölner jetzt mitten im Ruhrgebiet einsetzen: Seit einigen Tagen ist Pater Ralf Winterberg der neue Leiter der Amigonianer-Projekte in Gelsenkirchen.

Pater will Einrichtungen durch echtes Mitarbeiten kennenlernen

Für die kurze Zeit ist Pater Ralf schon viel herumgekommen – und das am liebsten mit dem Fahrrad. Er hat sich in den verschiedensten Einrichtungen und Gruppen in Gelsenkirchen vorgestellt, hat Politiker, Förderer und viele Vertreter der Schalker Kirchengemeinde St. Joseph kennengelernt. In deren Gebiet liegt nicht nur der Jugendtreff in der Aldenhofstraße, sondern auch das Haus Eintracht und die Hauptschule Grillostraße, wo die Amigonianer ebenfalls Treffpunkte für Kinder- und Jugendliche betreiben. Zudem gibt es neben der Hauptschule auch an der Gesamtschule Horst ein Lernförderprojekt. Vier Wochen Zeit hat sich Pater Ralf im Kalender geblockt, um jede Einrichtung nicht nur kennenzulernen, „sondern mindestens eine Woche auch mal richtig mitzuarbeiten“, sagt der Ordensmann, der so groß ist, dass sich Mitbruder Lucinio lieber auf eine Stufe stellt, als die Fotografin die beiden vor Lucinios Spielzeug-Ausgabe „Amigos Hütte“ fotografiert. Der Jugendtreff liegt gleich gegenüber der Reihenhaus-Sozialwohnung, in der die Gelsenkirchener Amigonianer zu Hause sind. Im Treff gehört Pater Ralf jetzt schon fast zum Inventar. Mit Mahmud, dem Jungen vom Kicker, „habe ich letzte Woche zusammen einen Drachen gebaut“, erzählt der Pater von den ersten Begegnungen.

Das „Privileg, hier im in einem Brennpunkt zu leben“

Als Kölner im Ruhrgebiet freut sich Pater Ralf „über Menschen, die ihr Herz auf der Zunge tragen“ und empfindet es als „Privileg, hier in einem Brennpunkt zu leben“. Die neue Heimat zwischen Autobahn, Gefängnis und Industrie gehört im ohnehin mit wenig Reichtum gesegneten Gelsenkirchen seit ehedem zu den Gegenden, die man gemeinhin als „weniger privilegiert“ oder „arm“ beschreibt. Pater Ralf hingegen hat schon nach den ersten Wochen bemerkt, „was sich in diesem Viertel getan hat und tut“ – und welche Rolle die Kirche durch die Amigonianer hier spielt, wenn sie zum Beispiel Hausaufgabenbetreuung anbieten, Jugendarbeit leisten oder als Dialogpartner für die verschiedensten Bevölkerungsgruppen zur Verfügung stehen. „Wenn wir als Kirche Relevanz für die Leute von heute haben, werden wir auch nicht in Vergessenheit geraten“, so der pragmatische Ansatz des Paters gegen alle Unkenrufe vom Kirchenuntergang. „Wir müssen verstehen, was die großen Themenfelder der Menschen sind.“

Vernetzung zwischen Sozialpastoral und Gottesdienst-Gemeinde

So gelinge auch die Vernetzung zwischen sozialpastoralen Initiativen wie dem Jugendtreff oder dem neuen von der Gladbecker Pfarrei St. Lamberti betreuten „Haus K4“ und den Gottesdienst-Gemeinden vor Ort, sagt Pater Ralf. Als jüngst in St. Joseph der jährliche „Tag des Ewigen Gebets“ anstand, hätte die Pfarrei in allen Einrichtungen Boxen aufgestellt, in die Besucher Zettel mit Fürbitten einwerfen konnten. Natürlich haben sich daran auch die Kinder und Jugendlichen im Jugendtreff beteiligt – also wurde im Gottesdienst auch für Bruder Lucinio gebetet, der mit Spielzeug aushilft und als Lehrer für Inliner-Fahren und viele andere Dinge beliebt ist.

Ein FC-Köln-Fan in Schalke

Pater Ralf ist gut angekommen im Ruhrgebiet, keine Frage. Wenige Meter von Gelsenkirchen-Schalke entfernt dürfte dazu auch sein entspanntes Verhältnis zum Thema Fußball beigetragen haben. „Natürlich bin ich FC-Köln-Fan, aber kein militanter“, sagt er mit einem Schmunzeln. Außerdem sei er „leidgeprüft“: „Ich schaue seit 15 Jahren Bundesliga-Übertragungen gemeinsam mit einem Schalke-Fan.“ In einer Woche geht’s dann zum ersten Mal live in die blau-weiße Arena. Als Abschiedsgeschenk hat Bruder Anno Karten für die ganze Kommunität besorgt. Dann heißt es Mitfiebern, für wen auch immer – die Schalker spielen gegen Köln.

Information: Amigo-Fest am 6. Oktober und neue Niederlassung in Gladbeck

Zusammen mit seinen zuletzt ebenfalls in Köln tätigen Mitbrüdern Pater Gisbert Lordieck und Pater Juan María Garcia Latorre verstärkt Pater Ralf nicht nur die seit 30 Jahren in der Jugendarbeit tätige Gelsenkirchener Niederlassung des aus Spanien stammenden Amigonianer-Ordens – im benachbarten Gladbeck haben die Mönche auch gleich eine neue Dependance eröffnet. Verzichten müssen sie allerdings künftig auf den bisherigen Leiter der Kommunität, Bruder Jens Anno Müller: Nach 25 Jahren im Ruhrgebiet übernimmt der ebenfalls aus Köln stammende Bruder Anno in Rom für mindestens sechs Jahre das Amt des stellvertretenden Generaloberen, also des Vize-Chefs des vor allem in der Jugendarbeit und primär in Lateinamerika, Spanien und auf den Philippinen tätigen Ordens. Beim „Amigo-Fest“ am Sonntag, 6. Oktober, von 11 bis 17 Uhr gibt es im Jugendtreff in der Aldenhofstraße 1a die vorerst letzte Gelegenheit, sich von ihm zu verabschieden – um 11 Uhr eröffnet Bischof Overbeck das Fest mit einer Freiluftmesse.

Pressestelle Bistum Essen

Zwölfling 16
45127 Essen

0201/2204-266

0201/2204-507

presse@bistum-essen.de

Presse